Dem Abgrund immer näher – Rezension zu „Dunkelkammer“ von Bernhard Aichner

„Dunkelkammer“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe des Bestseller-Autors Bernhard Aichner. Und was für einer!

David Bronski ist eine Ikone der Pressefotografie. Er hat sich auf Bilder von Verbrechen spezialisiert, arbeitet schnell, präzise und immer zur Zufriedenheit seiner Chefin. Bei ihm kann sie sich darauf verlassen, dass jeder Auftrag ein Erfolg wird. Doch hinter den Kulissen sieht es ganz anders aus. Bronski ist ein gebrochener Mann, der irgendwo zwischen Burnout, Alkoholsucht und Selbstmordgedanken pendelt.

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Mumifizierte kopflose Leiche

"Dunkelkammer" von Bernhard Aichner Rezension
Cover „Dunkelkammer“ von Bernhard Aichner. (Grafik: btb)

Als ein ehemaliger Kollege, um den es noch wesentlich schlimmer steht, als um ihn selbst, Bronski eine exklusive Story anbietet, reist dieser aus Berlin in seine ehemalige Heimat Tirol. Dort findet er das Mordopfer eines Verbrechens, das schon 20 Jahre zurückliegt. Eine mumifizierte Leiche ohne Kopf, die Leiche einer Frau mit Verbindungen in die besten Kreise.

Bronski schießt die beeindruckendsten Fotos seiner Laufbahn und seine neue Kollegin Svenja Spiegelmann schreibt dazu eine Story, die die Auflage ihrer Zeitung explodieren läßt. Alles sieht nach Erfolg aus, doch für Bronski ist es der Beginn eines Albtraums. Denn im Portemonnaie der Toten findet er ein Foto, das alles für ihn verändert.

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Dass Bernhard Aichner sein Handwerk versteht, ist keine Neuigkeit, aber mit „Dunkelkammer“ übertrifft er sich selbst. Er erspart seinem Haupthelden Bronski nichts, aber auch gar nichts. Und schickt ihn auf eine Reise in die Vergangenheit, die eine böse Überraschung nach der anderen bereithält.

„Dunkelkammer“ mit weiblicher Unterstützung

Ohne weibliche Unterstützung an seiner Seite wäre er aufgeschmissen. Aber da ist seine Schwester Mona, eine Amazone, mit Herz, Hirn, Muskeln und Verbindungen in die Unterwelt. Und auch Svenja, für die Bronski anfänglich nur Verachtung übrig hat, wird für ihn immer wichtiger.

Tipp: Livestream-Lesung „Dunkelkammer“ mit BERNHARD AICHNER am 14. April 2021 um 19:00 Uhr

„Dunkelkammer“ fesselt, ist wunderbar konstruiert und macht Lust auf mehr. Der Hauptheld ist spröde. Manchmal möchte man ihn regelrecht ohrfeigen für seine seltsamen Entscheidungen und die Irrwege, die er beschreitet. Aber das erhöht den Lesegenuss natürlich umso mehr. Ob der Gärtner der Mörder ist, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Genauso wenig, ob überhaupt ein Gärtner mitspielt.

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Bildnachweis: Bernhard Aichner. (Bild: www.fotowerk.at)

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Autor: Mikis Wesensbitter

Mikis Wesensbitter wäre eigentlich ein waschechter Ostberliner geworden, wenn nicht Ende August 1968 ein Unfall bei der Deutschen Reichsbahn den kompletten Schienenverkehr der DDR lahmgelegt hätte. So kam er in Zossen zur Welt. Pünktlich zur 25. Wiedervereinigungsfeier erschien mit "Wir hatten ja nüscht im Osten … nich’ ma Spaß" Mikis Tagebuch aus dem Jahre 1989 in der Edition Subkultur.

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