Rezension: „Klopp“ – Ein Trainer-Guru als Mensch

FC Liverpool

Der englische Autor Anthony Quinn ist seit seiner Kindheit Liverpool-Fan. Er kann sich an längst vergangene Erfolge erinnern, an viele Jahre des Mittelmaßes und gescheiterter Hoffnungen. Und an den Rausch des triumphalen Premier-League-Titelgewinns 2020, den Corona beinahe noch gestoppt hätte!

Natürlich steht in einem Buch, das den Titel „Klopp“ trägt, der Trainer Jürgen Klopp im Mittelpunkt. Aber glücklicherweise hat Anthony Quinn keine weitere Biografie des Trainerfuchses geschrieben, sondern eher eine Hommage an den Liverpooler FC und den Trainer, der den schlafenden Riesen geweckt hat. Herausgekommen ist dabei eine wunderbar unterhaltende Lektüre, die man sogar dann gerne liest, wenn man Jürgen Klopp irgendwie daneben findet und sich überhaupt nicht für Liverpool begeistern kann.

Klopp: Weg vom Mittelmaß zur Spitze

Klopp Rezension
Klopp. (Cover: Heyne Hardcore)

Man kann wunderbar den Weg nachvollziehen, den Jürgen Klopp als eher mittelmäßiger Spieler bei Mainz 05 gegangen ist, bevor er eher zufällig den Trainerposten dieses Vereins übernahm. Und ordentlich Lehrgeld bezahlen musste, bevor es ihm gelang, den selbsternannten Karnevalsverein in der Bundesliga zu etablieren und dann zu Borussia Dortmund wechselte.

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Anthony Quinn schreibt zudem über die Gründungsgeschichte des Liverpooler Fußballclubs, stellt den Trainer Bill Shankly, der Liverpool in den frühen 60er Jahren übernahm und aus den Niederungen der unteren Ligen an die europäische Spitze führte, immer wieder ins Zentrum der Betrachtung. Schließlich bieten sich Vergleiche zwischen Shankly und Klopp regelrecht an. Und Quinn erzählt sehr viel über sich selbst.

Eindringlich: Liebe zu Liverpool

Das könnte mächtig danebengehen, tut es aber glücklicher Weise nicht. Denn über die persönliche Ebene gelingt es dem Autor, seine Liebe zu Liverpool eindringlich darzustellen. Dabei erfährt der Leser jede Menge Dinge, die er mit Sicherheit nicht erwartet hätte. Etwa, wie der junge Anthony erst einmal Celtic-Fan geworden ist, weil er das Trikot so schön fand. Oder welche Kommentare zu Spielen sich in seinem Tagebuch finden lassen.

Gern zieht Quinn auch Vergleiche aus Film und Literatur heran, um seine Thesen zu unterstützen. Das dürfte Puristen eher weniger gefallen, trägt aber ganz wesentlich dazu bei, dass „Klopp – Eine Liebeserklärung an einen Trainer und seinen Verein“ ein sehr lesenswertes Buch geworden ist.

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„KLOPP – Eine Liebeserklärung an einen Trainer und seinen Verein“ (Heyne Hardcore) von Anthony Quinn bei uns im Online-Buch-Shop.

Bildnachweis: FC Liverpool. (Foto: Jorono/Pixabay)

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Autor: Mikis Wesensbitter

Mikis Wesensbitter wäre eigentlich ein waschechter Ostberliner geworden, wenn nicht Ende August 1968 ein Unfall bei der Deutschen Reichsbahn den kompletten Schienenverkehr der DDR lahmgelegt hätte. So kam er in Zossen zur Welt. Pünktlich zur 25. Wiedervereinigungsfeier erschien mit "Wir hatten ja nüscht im Osten … nich’ ma Spaß" Mikis Tagebuch aus dem Jahre 1989 in der Edition Subkultur.

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